Seitdem ich in unserem Ortsverband der Verantwortliche für Jugend-und Ausbildung bin, betreue ich zwei Gruppen von "Bastelwütigen" Kindern im alter von 10 - 16 Jahren. Das Interesse am Amateurfunk ist auch geweckt, und einmal die Woche zur Ausbildung am Funkgerät sitzen reicht den meisten nicht aus. Nun gibt es ja schon preiswerte Scanner b.z.w. Weltempfänger zu kaufen. Aber ich möchte das die Kinder sich den Zugang zum Amateurfunkempfang selbst erbasteln. Deshalb habe ich mich mal daran gemacht einen einfachen Empfänger für das 80-Meterband zu entwerfen, der dann aufgebaut und mit nach hause genommen werden kann. Das Schaltungskonzept ist aus verschiedener Literatur und Datenblättern sowie dem damaligen "AFE12"-Projekt zusammengewürfelt. Dabei habe ich Wert auf folgende Kriterien gelegt :

- leicht nachzubauen , mit den in den "gesammelten Werken"  vorhandenen Bauteilen

- angenehmer Klang, auch für SSB-ungeübte Ohren

- ausreichende Empfindlichkeit für kurze Drahtantennen

und natürlich soll auch was fürs Auge (das ja bekanntlich mitisst) vorhanden sein, wie digitale Frequenzanzeige, LED-S-Meter. Die Frequenzanzeige habe ich mit einem PIC nach DL4YHF aufgebaut. Im Testaufbau habe ich noch eine 5-Stellige Anzeige mit 100 Hz Auflösung. Da ich aber nur einen Quarz als Taktgeber benutze, ist die Frequenz-Abweichung je nach Temperatur jedoch ca. +- 100 Hz. Deshalb begnüge ich mich mich mit einer 1-KHz-Anzeige, die für einen SWL-Empfänger vollkommen ausreichend ist. Will man es doch genauer haben muss ein TCXO zum Einsatz kommen. Das würde den Aufwand erhöhen und den Fundus übestrapazieren.

   

Links der Testaufbau der Frequenzanzeige daneben das Gehäuse das verwendet werden soll  (alte ausgemusterte Gräte die noch mehrfach in meinen "gesammelten Werken" vorhanden sind) und die Zählerplatine.

Im Emfänger kommt eine einfache Transistorvorstufe zum einsatz. Erster Mischer und geregelter ZF-Verstärker werden mit dem A244 (TCA440), der Produktdetektor mit A220 (TBA120S) und die NF-Verstärkerstufe mit dem 1-Watt-IC  A211 realisiert. Zur Selektion verwende ich ein vierpoliges Quarz-Abzweigfilter mit 8 MHz Quarzen "von der Stange" (bei Reichelt € 0,18 das Stück). Quarze sowie Kondensatoren sind auf "gleich" ausgemessen. Und die Abschlusswiderstände werden beim durchwobbeln mit Trimmpotis auf "gutaussehende" Durchlasskurve getrimmt, ausgemessen und durch Festwiderstände ersetzt. Der VFO ist ein Seiler-Oszillator mit FET-Pufferstufe jeweils zum Mischer und zum Zähler. Die Abstimmung erfolgt mit einer Kapazitätsdiode über ein Spindelpoti mit 10 Umdrehungen. Den Schaltplan und das Leiterplattenlayout habe ich mit Target gemacht. Dementsprechend unübersichtlich sieht der Schaltplan aus. Mein altes Problem.... Ich baue was auf - der Schaltplan ist im Kopf... und da bleibt er meistens. Wenns dann funktioniert wird zugeschraubt und der Schaltplan macht mir dann zu viel Arbeit. Also hier der Schaltplan:

    

Daraus wurde auch die Leiterplatte gemacht. Der Testaufbau hat aber gezeigt das das ganze noch nicht zur vollen Zufriedenheit läuft. Also bin ich noch dabei einige Modifikationen vorzunehmen.      

29.06.2010   Und da ist die erste : Die Idee mit dem Quarzfilter ist ja ganz nett aber der ZF-Verstärker des A244 kann diese hohe Frequenz nicht mehr verarbeiten. Also habe ich nochmal in den "gesammelten Werken" gestöbert. 455 KHz Piezofilter rausgesucht und eingesetzt. Die Sache hat leider eine Bandbreite von ca. 6 KHz also nicht unbedingt ideal für SSB. Aber als Erstempfänger ist das Ding nach einem ersten Hörtest brauchbar. Im dicken QRM kommt allerdings keine rechte Freude auf. Nun war schon der Gedanke einen Doppelsuper mit 5,2 MHz 1. ZF und dann  200 KHz mit den RFT-Mechanischen Filtern aufzubauen. Der Aufwand wäre allerdings für Anfänger schon recht hoch.                 

Die Leiterplatte habe ich modifiziert und nur noch 2 Lötaugen für Filter-Ein-Ausgang vorgesehen, da ich für die 455 KHz verschiedene Filter da habe (Einzelfilter bis Kompaktfilter) und so die Leiterzüge entsprechend freisenke, wie es eben passt. 

  Hier der Testaufbau

Schon im fliegenden Testaufbau macht sich die FET-Auskopplung des VFO positiv bemerkbar. Obwohl ohne Gehäuse ist der RX erstaunlich Frequenzstabil. Als nächstes kommt die Eingangasstufe. Im Bild oben ist ja nur ein Bandfilter aufgelötet. Das Eingangsteil habe ich auf einer kleinen Extra-Platine damit später mal andere Bänder nachgerüstet werden können. Der Platz für die VFO Spulen ist auch auf der Hauptplatine vorgesehen. Nun alles ins Gehäuse rein. Die Leiterplatte hat schon etwas gelitten durch die umlötereien beim Experimentieren, aber es arbeitet noch alles stabil. Den VFO musste ich nochmal neu berechnen, da er ursprünglich oberhalb der Empfangsfrequenz schwingen sollte. Da hatte ich aber in der Spiegelfrequenz starke kommerzielle Signale die einfach nicht in den Griff zu bekommen waren. Also den Oszillator unterhalb ansiedeln und ..... das Problem war erledigt. Die 10 Umdrehungen des Potis für die Frequenzabstimmung sind doch recht knapp. Deshalb habe ich den CW-Bereich ausgelassen. Selbst beim Durchstimmbereich von 3590 bis 3801 ist noch etwas Fingespitzengefühl nötig. Den fehlenden Telegraphiebereich erachte ich nicht als sonderlich schwerwiegend da die Kids hier in meinem Fall keinerlei Interesse an CW haben. Sollte sich das mal ändern, haben sie bestimmt schon einen Transceiver auf ihrem Stationstisch stehen.

 

Der Aufbau sieht etwas ungeordnet aus da ich immer wieder kleine Veränderungen vorgenommen habe, die dann letztendlich in den Bausatz einfließen. Obwohl der RX nicht im geschirmten Gehäuse untergebracht ist, gibt es keine Probleme. Lediglich die Grundplatte ist notwendig um elektrische und mechanische Stabilität zu erreichen. Das Gerät kann Problemlos hin und her geräumt werden ohne das sich die Frequenz ändert. Genauso passiert nichts wenn man etwas oben auf's Gerät stellt. Lediglich eine daraufgstellte Lötstation erzeugte leichte brummeinstreuungen. Links , die Hauptplatine oben drauf das Eingangsteil und rechts davon die Frequenzanzeige mit LED S-Meter. Die ersten 3 gelben LED S-6 bis S-8 , grün S-9 und die rote S-9+ . Die Frequenzeinstellung ist sehr feinfühlig aber durch den großen Drehknopf problemlos durchzuführen. An der Rückseite befinden sich die Buchsen für Antenne , Stromversorgung und Kopfhörer b.z.w. Lautsprecher. Die Lautstärke ist mehr als ausreichend und der NF-Ausgang ist kurzschlußsicher. Die Stromversorgung erfolgt über ein kleines Steckernetzteil. Abschließend kann ich sagen : ein, für Einsteiger, durchaus brauchbares Gerät. Ein sehr angenehmer klarer Klang (sofern die Stationen ein entsprechendes Signal aussenden) bei dem jedes Manko aber auch alle Vorteile der Modulation herausgehört werden. Die etwas große Bandbreite bringt im QRM Nachteile (von einem Contest ganz zu schweigen). Die Regelung mit Haltezeit wirkt sich sehr angenehm und ruhig aus. Der große Regelumpfang schafft von der Ortsstation bis zum DX-Signal alles, ohne zusätzlichen Abschwächer. Der fehlende TCXO in der Frequenzanzeige sowie die ungenaue Temperaturkompensation im VFO rächen sich. Die Anzeige kann schon mal bis 200 Hz abweichen (deshalb auch nur die 1-KHz-Auflösung) und der VFO driftet bei 10 Grad Temperaturschwankung schon mal 1 KHz ab. Abrupte Temperaturschwankungen (z.B. am offenen Fenster) werden aber vom Gehäuse kompensiert. Ein eingestelltes QSO blieb aber bei offenem Fenster und etwas Wind mit abwechselndem Durchzug über 2 Stunden stabil (danke an die Marathonrunde !!! ) Bei genauer Kontrolle driftete der VFO in dieser Zeit um maximal 120 Hz. Bei sauberem Aufbau des Oszillators und entsprechender Vorauswahl der Kondensatoren (NP0 + N30) Deshalb habe ich mich entschlossen die Platinen mit dem VFO vorzubestücken. Beim Testaufbau wurden auch noch einige Verblockungen nötig, die dann auch schon auf der Platine mit SMD-Kondensatoren vorgefertigt werden. Nun kommt es auf meine Kids an sich den Empfänger aufzubauen und zum spielen zu bringen.

Das Leiterplattenlayout im Target-Format kann bei mir angefordert werden (Email) Kontaktformular
05.07.2010

 

06.09.2010

Achtung!  Komplett oder teilweise bestückte Platinen sind alle raus. Ich fertige auch keine mehr. Lediglich ungebohrte Platinen mit Bestückungsplan gibt es zum Unkostenpreis in begrenzten Mengen.        

Wie oben erwähnt wäre die Variante als Doppelsuper mit mechanischem SSB-Filter die bessere Wahl. Also habe ich mal einen Prototyp mit 5 MHz 1. ZF und 200 KHz 2. ZF sowie DDS-VFO aufgebaut. Die Verdrahtung im Inneren ist etwas  ungeordnet, da es eigentlich nur ein Testaufbau werden sollte. Letztendlich spielte der RX aber so gut das ich ihn nicht mehr auseinander nehmen wollte. Ab und zu benutze ich das kleine Gerätchen als "akustische Untermalung" beim Basten. Ich hab ihn mal aus dem Schrank geholt und Fotos gemacht.

   

Der DDS-VFO sorgt für Frequenzstabilität so das ein nachstellen der QRG nicht mehr nötig ist. Und durch das mechanische Filter kommt man auch im 80-m-Gewühl entschieden besser zurecht.